Agenda 2030 –
Zukunftsplanung für das Ortenau Klinikum
Exzellente Patientenversorgung – auch in Zukunft Arbeitsplätze erhalten – qualifiziertes Personal gewinnen Wirtschaftlichkeit gewährleisten –
Fördermittel sichern
Optimale Klinikstrukturen –
Vorraussetzung für exzellente Medizin

Zukunftsplanung Ortenau Klinikum: Ausschuss empfiehlt Kreistag die Umsetzung der kurzfristigen Handlungsperspektive

Prüfung bestätigt Umsetzbarkeit des „Modell Landrat“/ Verbesserung des Betriebsergebnisses von über 40 Millionen Euro in zehn Jahren/ Alle Standorte bleiben bis auf Weiteres erhalten

Offenburg, 11. Juli 2017 – Der Krankenhausausschuss des Ortenaukreises hat heute mit großer Mehrheit eine Reihe von Empfehlungsbeschlüssen an den Kreistag verabschiedet, mit denen die als „Modell Landrat“ bezeichnete kurzfristige Handlungsperspektive im Rahmen der Zukunftsplanung Agenda 2030 des Ortenau Klinikums ab Mitte 2018 umgesetzt werden soll.

In seinem einleitenden Statement erinnerte Landrat Frank Scherer nochmals an die wichtigsten Zielsetzungen der Zukunftsplanung für das Ortenau Klinikum: „Wir wollen einen Klinikverbund, der eine flächendeckende Versorgung für die Ortenauer Bevölkerung auf qualitativ hohem Niveau sicherstellt. Die öffentliche Trägerschaft steht für mich dabei außer Frage – unsere Rendite soll auch in Zukunft in zufriedenen Patienten und motivierten Beschäftigten bestehen. Um das zu erreichen, dürfen wir sinnvolle und vertretbare Strukturveränderungen nicht ausschließen und unsere Strukturen an die Rahmenbedingungen anpassen. Wenn wir jetzt nicht gestalten, dann haben wir später keine eigenen Handlungsmöglichkeiten mehr.“

Das von Landrat Scherer initiierte „Modell Landrat“ sieht im Kern den Erhalt aller neun Standorte des Ortenau Klinikums bis auf Weiteres vor. Dabei sollen die Kliniken in Kehl, Oberkirch und Ettenheim zukünftig als sogenannte Portalkliniken mit teilweise neuem Leistungsspektrum geführt werden. Für den Standort Gengenbach sind in einem Nachnutzungskonzept eine ambulant-stationäre Pflegeeinheit sowie eine stationäre Heimbeatmung für Kinder vorgesehen. Erweitert wurde das Konzept durch mehrere Prüfaufträge, die in den Empfehlungsbeschluss aufgenommen wurden. Geprüft werden soll unter anderem, ob eine Bündelung der Klinik für medizinische Psychosomatik am Standort Gengenbach möglich und gegenüber dem Land durchsetzbar ist. Außerdem soll geprüft werden, ob an die Einrichtung eines zentralen Bildungscampus mit einer Zusammenführung aller Schulen des Ortenau Klinikums sinnvoll sein kann.

Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller begrüßte das Ergebnis der Sitzung. „Nach einer äußerst konstruktiven Diskussion hat der Ausschuss eine sehr gute Entscheidung getroffen, die im Sinne unseres Klinikverbundes ausfällt.“

In seiner Sitzung am 23. Mai hatte der Ausschuss die Geschäftsführung des Ortenau Klinikums beauftragt, die Umsetzbarkeit des „Modell Landrat“ vollständig durchzuprüfen. Das Ergebnis der Prüfung, die die Geschäftsführung mit den Leitungen aller Klinikstandorte vorgenommen hat, fällt positiv aus und bestätigt die Umsetzbarkeit des Modells. Diese ist formal abhängig von der Zustimmung des Landeskrankenhausausschusses sowie der Landeskrankenhausplanung.

Das Prüfergebnis zeigt zudem, dass bei einer Umsetzung der kurzfristigen Handlungsperspektive sich das Betriebsergebnis im Ortenau Klinikum in zehn Jahren um über 40 Millionen Euro verbessern kann. Auch würde die Gesamtauslastung in den anderen Standorten des Klinikverbundes durch die Fallbewegungen ansteigen. Das Ortenau Klinikum rechnet deshalb mit positiven wirtschaftlichen Effekten für den Gesamtverbund. Den von den Strukturveränderungen tangierten Mitarbeitern werden im Verbund alternative Arbeitsplätze angeboten.

Die Empfehlungsbeschlüsse des Krankenhausausschusses an den Kreistag lauten im Einzelnen:

1. Die Klinik für Orthopädie des Krankenhausstandortes Gengenbach wird ab dem 3. Quartal 2018 an den Krankenhausstandort Kehl verlegt und dort mit der Klinik für Chirurgie zusammengefasst.
2. Die Klinik für Chirurgie Kehl umfasst nach dem Zusammenschluss mit der Orthopädie Gengenbach ein orthopädisches sowie unfallchirurgisches Spektrum. Der allgemeinchirurgische Anteil wird aufgegeben. Bis zur Kreistagssitzung wird konkretisiert, wie und wann dies erfolgen soll.
3. Die Operationstätigkeit von Dr. Schweigert in Oberkirch wird ab dem 3. Quartal 2018 beendet.
4. Die Klinik für Allgemeine Innere Medizin des Krankenhausstandortes Gengenbach wird ab dem 3. Quartal 2018 aufgegeben.
5. Die Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Gengenbach wird ab dem 3. Quartal 2018 aufgegeben. Die Versorgung des Krankenhausstandortes Wolfach mit anästhesiologischen ärztlichen Leistungen wird weiterhin durch Offenburg sichergestellt.
6. Der Krankenhausstandort Gengenbach wird aus wirtschaftlichen Gründen vor dem Hintergrund eines hohen Jahresfehlbetrags als akutstationärer Versorger ab dem 3. Quartal 2018 aufgegeben. Stattdessen werden als Nachnutzungskonzept eine ambulant-stationäre Pflegeeinheit sowie eine stationäre Heimbeatmung für Kinder vorgesehen. Geprüft werden soll, ob die medizinische Anbindung an die Kinderklinik in Offenburg bei einer entsprechenden Einrichtung in Gengenbach ausreichend ist. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob die Bündelung der psychosomatischen Abteilungen von Lahr und Offenburg am Standort Gengenbach möglich und gegenüber dem Land durchsetzbar ist. Schließlich soll geprüft werden, ob die Einrichtung eines zentralen Bildungscampus mit einer Zusammenführung aller Schulen des Ortenau Klinikums sinnvoll sein kann.
7. Die Belegklinik für HNO des Krankenhausstandortes Kehl wird zum 31.12.2018 aufgegeben.
8. Die Klinik für Gynäkologie des Krankenhausstandortes Kehl wird bis zum altersbedingten Ausscheidens des derzeitigen Chefarztes Dr. Liber in Kehl fortgeführt und dann aufgegeben.
9. Die gynäkologischen Operateure aus Offenburg erbringen ab dem 3. Quartal 2018 für den Krankenhausstandort Kehl keine konsiliarischen gynäkologischen Operationen mehr.
10. Der Krankenhausstandort Kehl wird ab dem 3. Quartal 2018 organisatorisch dem Krankenhausstandort Offenburg unter einem einheitlichem Institutskennzeichen (Offenburg) zugeordnet.
11. Die Kliniken in Kehl, Oberkirch und Ettenheim werden bis auf weiteres als Portalkliniken geführt, d.h eine stationär geprägte Einrichtung mit eher geringerer Bettenzahl, die eine stationäre Basisversorgung mit örtlich begrenzter Reichweite sowie eine gewisse notfallmäßige Versorgung sicherstellt, deren Hauptfunktion zunehmend darin besteht, Diagnostik durchzuführen und die Befunde in konsiliarischer Abstimmung mit dem Portalgeber zu erstellen und dabei eine enge telemedizinische Vernetzung nutzt.
a. Der Krankenhausstandort Kehl wird ab dem 3. Quartal 2018 Portalklinik von Offen-burg mit internistischem, unfallchirurgisch-orthopädischen sowie gynäkologischem Spektrum. Die Notfallversorgung erfolgt bis auf weiteres und sofern krankenhausplanerisch umsetzbar im internistischen Bereich im 24-Stunden-Betrieb. Im unfallchirurgisch-orthopädischen Bereich tagsüber und eingeschränkt nachts.
b. Der Krankenhausstandort Oberkirch umfasst als Portalklinik von Achern ein internistisches, geburtshilfliches sowie kurzzeitchirurgisches Spektrum. Die Notfallversorgung erfolgt bis auf weiteres und sofern krankenhausplanerisch umsetzbar, im internistischen Bereich im 24-Stunden-Betrieb. Im chirurgischen Bereich tagsüber.
c. Der Krankenhausstandort Ettenheim umfasst als Portalklinik von Lahr ein internistisches, schmerztherapeutisches sowie chirurgisches Spektrum mit Schwerpunkt Fuß-chirurgie. Die Notfallversorgung erfolgt wie bisher tagsüber.
12. Die Geschäftsführung wird beauftragt, die formal notwendigen Schritte einzuleiten, um die unter 1 bis11 dargestellten Beschlüsse in die Umsetzung zu bringen. Hierzu zählen insbesondere die formal erforderlichen Abstimmungsschritte mit dem Landeskrankenhausausschuss, dem Sozialministerium sowie dem Spitalfond Gengenbach.

Für weitere Informationen und Hintergründe zur Zukunftsplanung „Agenda 2030“ hat das Ortenau Klinikum ab sofort im Internet die Seite www.agenda2030-ortenau-klinikum.de eingerichtet.

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